mit großer Erschütterung haben wir die Ereignisse rund um das Kreisoberligaspiel SG EFC Ruhla 08 gegen FC Eisenach aufgenommen. Nach aktuell vorliegender Sachlage kam es hierbei zu einem tätlichen Angriff eines Eisenacher Spielers auf einen jungen – noch minderjährigen – Schiedsrichterassistenten. Dieser versetzte laut vorliegendem Schiedsrichterbericht einem der Unparteiischen einen Faustschlag in den Brustkorb, woraufhin der Schiedsrichter das Spiel folgerichtig abbrach. Ein Polizei- und Rettungswageneinsatz folgte.
Dieser Vorfall stellt den bisherigen Höhepunkt einer erschütternden Entwicklung dar. Seit Jahren spüren wir eine zunehmende Verrohung der Sitten auf unseren Sportplätzen. Dass eine gewisse Emotionalität unseren Sport prägt und schon immer geprägt hat, ist allen bewusst. Wir alle wünschen uns umkämpfte Spiele, die mit Leidenschaft, Engagement und Herzblut geführt werden. Leider wird seit geraumer Zeit immer häufiger genau diese Grenze des Erlaubten überschritten. Beleidigungen, Diskriminierungen und Gewalthandlungen halten Einzug auf unsere Sportplätze – Entwicklungen, die der KFA Westthüringen aufs Schärfste verurteilt.
Besonders unsere Schiedsrichterinnen und Schiedsrichter stehen dabei häufig im Fokus solcher Taten, obwohl allen bewusst sein sollte, dass es ohne sie keinen Spielbetrieb geben kann. Der Schutz der Schiedsrichter stand und steht für uns stets an oberster Stelle.
Die Liste dokumentierter Vorfälle ist lang. Bereits in vorherigen Spielzeiten mussten wir uns mit Übergriffen auf Unparteiische auseinandersetzen, was in zahlreichen Fällen zu Sportgerichtsurteilen und empfindlichen Strafen gegen die Täter führte. Erst im März musste ein Schiedsrichter ein Spiel der 1. Kreisklasse abbrechen, nachdem er von einem Zuschauer tätlich angegriffen worden war. Kurz darauf folgte ein weiterer Spielabbruch aufgrund mutmaßlich diskriminierender Äußerungen gegenüber dem Spielleiter. Der bisherige Tiefpunkt wurde nun am vergangenen Wochenende beim genannten Kreisoberligaspiel erreicht.
Für den KFA Westthüringen steht fest, dass nun eine Grenze erreicht ist, die eine entschlossene Reaktion unsererseits erforderlich macht. Wohlwissend, dass es sich hierbei um die Tat eines Einzelnen handelt und daraus keine pauschalisierenden Aussagen über die große Mehrheit engagierter und fairer Sportfreundinnen und Sportfreunde abgeleitet werden dürfen, möchten wir uns dennoch unmissverständlich positionieren:
Der Schutz unserer Schiedsrichterinnen und Schiedsrichter ist für uns nicht verhandelbar und hat oberste Priorität.
Aus diesem Grund sehen wir uns gezwungen, folgende Maßnahmen für das kommende Wochenende zu ergreifen:
Für den Zeitraum vom 15.05.2026 bis 17.05.2026 werden durch den Schiedsrichterausschuss keine Schiedsrichterinnen und Schiedsrichter für den Spielbetrieb der Männer zur Verfügung gestellt.
Der Spielausschuss wird daher alle Spiele der Kreisoberliga, der Kreisliga und der 1. Kreisklasse im oben genannten Zeitraum absetzen und neu terminieren.
Der Spielbetrieb des Nachwuchses, der Frauen sowie der Alten Herren wird – insbesondere mit Rücksicht auf die stattfindenden Pokalfinalspiele der Junioren in Unterbreizbach – wie geplant fortgeführt.
Bei allen Spielen des Nachwuchses, der Frauen und der Alten Herren wird der Schiedsrichter das Spiel mit Beginn der 10. Spielminute durch das Zeigen des „STOPP-Signals“ für exakt fünf Minuten unterbrechen. Alle Spieler haben sich während dieser Zeit in ihre Strafräume zu begeben, während der Schiedsrichter im Mittelkreis verbleibt.
Wo technisch umsetzbar, soll die Unterbrechung durch eine Lautsprecherdurchsage begleitet werden. Diese wird zentral durch den KFA vorbereitet und den Vereinen zur Verfügung gestellt.
Alle genannten Maßnahmen betreffen ausschließlich den Kreisspielbetrieb des KFA Westthüringen. Der Landesspielbetrieb ist davon nicht betroffen.
Uns ist bewusst, dass das Absetzen eines gesamten Spieltags im Männerbereich eine drastische Maßnahme darstellt. Als KFA tragen wir Verantwortung gegenüber allen Vereinen und Spielern, aber ebenso gegenüber allen Schiedsrichterinnen und Schiedsrichtern. Die Abwägung dieser Interessen ist uns daher nicht leichtgefallen – insbesondere in dem Wissen, dass diese Maßnahme auch viele Unbeteiligte trifft, die sich jederzeit vorbildlich und respektvoll verhalten haben. Dennoch sind wir gemeinsam der Überzeugung, dass ein derart grenzüberschreitender Vorfall mit aller Deutlichkeit und Konsequenz beantwortet werden muss.
Ebenso möchten wir mit aller Klarheit mitteilen, dass dies lediglich die erste Eskalationsstufe unsererseits darstellt. Sollten künftig weitere Vorfälle gegenüber unseren Schiedsrichterinnen und Schiedsrichtern dokumentiert werden, die sich in beleidigendem, diskriminierendem und/oder gewalttätigem Verhalten äußern, behält sich der KFA vor, komplette Spieltage abzusagen – unabhängig von Pokalfinalspielen oder dem Nachwuchsspielbetrieb.
Wir fordern alle Sportfreundinnen und Sportfreunde im KFA auf, zu einem gemeinsamen, wertschätzenden und respektvollen Umgang miteinander zurückzukehren. Nur gemeinsam können wir den Sport, den wir alle lieben, organisieren, durchführen und gestalten.
Wir alle müssen uns bewusst machen, dass ein Spielbetrieb ohne Schiedsrichterinnen und Schiedsrichter schlichtweg unmöglich ist. Lasst uns nicht vergessen, dass auch sie Menschen sind, die – genau wie Trainer und Spieler – Fehler machen dürfen und Fehler machen werden. Niemand ist unfehlbar, auch kein Schiedsrichter.
Eskalationen, wie sie sich in der Vergangenheit ereignet haben und nun am vergangenen Wochenende ihren vorläufigen Höhepunkt fanden, sind für uns jedoch nicht tolerierbar.